Am nördlichen Rand der Schotterterrasse wurde im Jahr 2025 ein seltenes, hervorragend erhaltenes Medaillon des Kaisers Antoninus Pius, geprägt in Rom in den Jahren nach Christus, gefunden.
| Vorder- und Rückseite des Medaillons von Antoninus Pius. |
«Auf der Vorderseite des Neufundes findet sich die drapierte Porträtbüste des Kaisers nach rechts. Die Umschrift lautet ANTONINVS AVG(ustus) – PIVS P(ater) P(atriae) TR(ibunicia) P(otestate) CO(n) S(ul) IIII. Die Angabe des vierten Konsulats des Antoninus Pius erlaubt die obgenannte Datierung.
Die Rückseite zeigt eine komplexe Darstellung: Links ist der Sonnengott Sol, nackt, mit Umhang über dem rechten Arm und Peitsche. Er ist im Begriff, sein Viergespann zu besteigen, das über ein Wolkenband in den Himmel aufsteigt. Rechts oben steht Phosphoros, der personifizierte Morgenstern; rechts unten lagert Tellus, die Gottheit der Erde, die ein Kleinkind an die Brust hält und sich auf ein Füllhorn stützt.
Der Durchmesser des Medaillons beträgt 39,8 Millimeter, das Gewicht 40,78 Gramm.
| Bereits im fundfrischen Zustand fällt die aussergewöhnliche Erhaltung des Medaillons auf. |
Römische Medaillons der mittleren Kaiserzeit sind keine eigentlichen Münzen, sondern besonders sorgfältig geprägte offizielle Repräsentationsstücke, die in Rom im Umfeld des Kaisers als Neujahrsgabe an ausgewählte hochrangige Empfänger verschenkt wurden. Von den gleichzeitig ebenfalls in der Münzstätte in Rom geprägten Münzen unterscheiden sie sich durch einen meist deutlich grösseren Durchmesser und ein entsprechend höheres Gewicht sowie durch besonders aufwändige Bildinhalte. Medaillons dienten nicht als Zahlungsmittel, sondern als sichtbares Zeichen der Loyalität und Verbundenheit mit dem Kaiserhaus und gleichzeitig als soziales Distinktionsmerkmal einer gebildeten Oberschicht. Dementsprechend sorgfältig wurden diese Objekte aufbewahrt und verwendet, sei es im Privatbereich oder auch nach dem Ableben als besondere Grabbeigabe. Die Rückseite des Neufunds weist keine erklärende
Beischrift aus; wer die Aussage verstehen will, muss über entsprechende Kenntnisse der zeitgenössischen Bildwelt und Mythologie verfügen. Ob die Darstellung allgemein als beginnender Tag, als Symbol einer glücklichen Zeit verstanden werden sollte, oder ob der Sonnengott hier auch eine Verbindung zum unter Antoninus Pius besonders geförderten orientalischen
Kybele-Kult andeuten könnte, muss offenbleiben. Differenzierte und oft nicht einfach verständliche Darstellungen dieser Art sind geradezu typisch für Medaillons dieser Zeit. Gerade dadurch erweisen sie sich als Vertreter einer Gattung von offizieller Kleinkunst, die auf vielschichtige und gewollte Weise eine bestimmte soziale Gruppe ansprach und mit den Idealen des Kaiserhauses verband.»
Fotos und Text aus dem Jahresbericht Archäologie Basel 2025, Muttenz, Medaillon im Hardwald – ein römisches Neujahrsgeschenk S. 115-117: Bericht: Markus Peter, Inventar der Fundmünzen der Schweiz, Bern.
