Der lieb Gott het zuem Früehlig gseit:
"Gang, deck im Würmli au si Tisch!"
Druf het der Chriesbaum Blätter treit,
vil tausig Blätter grüen und frisch.
Und´s Würmli us em Ei verwacht´s,
´s het gschlofen in si´m Winterhuus.
Es streckt si, und sperrt´s Müüli uf
und ribt die blöden Augen us.
Und druf se het´s mit stillem Zahn
am Blättli gnagt enander no
und g´seit: "Wie isch das Gmües so guet!
Me chunnt schier nimme weg dervo."
Und wieder het der lieb Gott g´seit:
"Deck jez im Immli au si Tisch."
Druf het der Chriesbaum Blüete treit,
viel tausig Blüete wiiß und frisch.
Und ´s Immli sieht´s und fliegt druf los,
früeih in der Sunne Morgeschin.
Es denkt: Das wird mi Caffi si;
si henn doch chosper Porzelin.
Wie sufer sin die Chächeli gschwenkt!
Es streckt si troche Züngli dri.
Es trinkt und seit: "Wie schmeckt´s so süeß,
do mueß der Zucker wohlfel si."
Der lieb Gott het zuem Summer gseit:
"Gang, deck im Spätzli au si Tisch!"
Druf het der Chriesbaum Früchte treit,
viel tausig Chriesi rot und frisch.
Und´s Spätzli seit: "Isch das der Bricht?
Do sitzt me zue, und frogt nit lang.
Das git mer Chraft in Mark und Bei`
und stärkt mer d´Stimme zuem neue Gsang."
Der lieb Gott het zum Spötlig gseit:
"Ruum ab, sie hen jez alli gha!"
Druf het e chuele Bergluft gweiht,
und ´s het scho chleini Riife gha.
Und d´Blättli werde gel und rot
und fallen eis im andere no,
und was vom Bode obsi chunnt,
muß au zum Bode nidsi go.
Der lieb Gott het zum winter gsait:
"Deck weidli zu, was übrig isch."
Druf het der Winter Flocke gstreut.
erschienen in der Erzählung
"Baumzucht" im Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, Tübingen 1811.